Evang.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr

... so weit der Himmel ist ...

„Es gibt doch einen Gott!“

  Er ist Profifußballer in der Bundesliga und Stürmer seiner Nationalmannschaft. Aber er scheint seinen Beruf verlernt zu haben. Er trifft das gegnerische Tor nicht mehr.    Am Anfang ist er geduldig mit sich. Er muss nur weiter ordentlich trainieren und in jedem Spiel seine Chancen suchen.  Das ändert aber nichts daran, dass er nicht trifft. Ein halbes Jahr lang. Der Trainer, die Fans, er selber werden ungeduldig.  Mit ihm gerät die ganze Mannschaft in einen Abwärtsstrudel. Spiel um Spiel geht verloren. Sie steht kurz vor dem Abstieg aus der ersten in die zweite Bundesliga.    Da endlich trifft er wieder ins Tor. Im alles entscheidenden Spiel gegen den Abstieg schießt er das alles entscheidende Tor. „Es gibt doch einen Gott!“, sagt er danach im Interview.

Man kann das abtun als im Siegesglück daher gesagte Worte, die etwas meinen, wofür es Gott nicht braucht: Endlich hat es wieder geklappt. Endlich werde ich dafür belohnt, dass ich hart gearbeitet habe.  Man kann das so verstehen. Ich will es dagegen wörtlich nehmen.

„Es gibt doch einen Gott!“ Das klingt nach einer Befreiung: Ich habe mich  gefangen in den Zweifeln an meinem Können, am ganzen Leben. Ich habe mich verbissen in das, was nicht gelingt, was gegen mich steht. Mit all dem bin ich ganz allein. Ich gebe auf. Ich höre auf zu kämpfen. Ich lasse los. Ich lasse mich fallen – in ein letztes Gebet: „Gott, wenn es dich gibt …“ 
Dietrich Bonhoeffer schreibt: „Ich glaube, dass Gott uns in jeder Notlage soviel Widerstandskraft geben will, wie wir brauchen. Aber er gibt sie nicht im voraus, damit wir uns nicht auf uns selbst, sondern allein auf ihn verlassen. In solchem Glauben müsste alle Angst vor der Zukunft überwunden sein.“ 
Also lasse ich mich fallen und ich falle tatsächlich – nicht tief, sondern in Gottes Hand. Er fängt mich auf, er trägt mich hindurch und trägt mich wieder empor. Und ich breche in einen etwas anderen Fußballjubel aus: „Es gibt doch einen Gott!“