Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

Und noch einen Wunsch?

„Und noch einen Wunsch?“ Die Verkäuferin hält den Korb in der Hand, in dem eine Laugenstange und ein Käsebaguette liegen, und schaut sie erwartungsvoll an.

Noch einen Wunsch? Die Frau muss lächeln. Jeden Tag blättern ihre Kinder in einem Spielzeugkatalog. „Mama, das wünsche ich mir. Und das will ich auch haben.“

Dass sie wunschlos glücklich sind, kann sie von ihren Kindern nicht behaupten. Ihnen fällt immer noch etwas ein, was sie gerne haben würden.

Aber vielleicht ist gerade das ein Glück, denkt sie: Wünsche zu haben. Kleine oder große. Und sich schon beim Wünschen darauf zu freuen, dass sie einer erfüllt.

Das Vertrauen ihrer Kinder hätte sie auch gern. Keine Spur von Zweifeln, dass sie bekommen, was sie sie sich wünschen. Schließlich werden sie ja geliebt.

„Und noch einen Wunsch?“ Ihr schießt so einiges in den Kopf, was sie sich wünscht. Mehr Ruhe zum Beispiel. Nicht, dass sie unbedingt weniger zu tun haben möchte. Sie mag die Arbeit nicht missen und die Kinder schon gar nicht.

Aber wenn ihr das gelingen würde, morgens zu vertrauen, dass sie alles schafft, was sie vorhat, und dann den Tag über eines nach dem anderen zu tun.

Ach, und auch das wäre etwas: ein neuer Anfang mit der Freundin. Sie weiß nicht, wie sie sich in den Streit hineingeritten haben.

Wenn sie den Mut finden würde, auf die Freundin zuzugehen, und eine Idee, wie sie dahin kommen, wieder zusammen Kaffee zu trinken und zu erzählen.

„Und noch einen Wunsch?“ Jetzt erst sieht sie das Plakat hinter der Verkäuferin. Versteckt zwischen den Preistafeln für Cappuccino und Latte Macchiato.

Darauf ist einer zu sehen, der Herzen austeilt. Und ein Satz: „Gott spricht: Ich schenke euch ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euch.“

„Jetzt ist die Zeit, in der das Wünschen wieder hilft“, denkt sie und lächelt die Verkäuferin an: „Ich nehme noch zwei Croissants.“

Ihre Pastorin
Kirsten Hoffmann-Busch