Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

Praxistest im Supermarkt

Ich brauche noch eine Kleinigkeit aus dem Supermarkt. Der Spaß beginnt schon auf dem Parkplatz. Der Mensch vor mir kann nämlich alles – außer einparken. Meine Finger trommeln aufs Lenkrad.

Endlich bin ich im Laden. Schnell die Flaschen gegriffen, hin zur Kasse und dann … stehe ich in der Schlange und warte: Ausdauernd zählt eine Frau ihr Kleingeld, um festzustellen, dass es nicht reicht. Der Mensch hinter mir schiebt mir seinen Wagen in die Hacken. Fehlt nur noch das nörgelnde Kind, das unbedingt einen Schokoriegel will, aber nicht darf …

Ich stehe also da und warte, da schießt mir plötzlich die Erklärung ein: Die vollen Läden und die langen Schlangen an den Kassen – Gott hat sie erfunden. Als Praxistest für die Nächstenliebe.

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“, heißt es. Wer wird da widersprechen wollen. Natürlich: Wenn einer auch nur ein wenig von seiner Selbstliebe für einen anderen aufbringt, dann erscheint der in einem anderen, besseren Licht – und das Zusammenleben wird friedlich. Soweit die Theorie – auf die hin Gott mich beim Einkaufen in vollen Läden testet.

Schaffe ich es, mit anderen Menschen so geduldig zu sein wie mit mir? Das jammernde Kind anzulächeln und dessen Mutter einen verstehenden Blick zuzuwerfen? Den Einkaufswagen in meinem Rücken sanft mit der Hand anzuhalten? Der Frau an der Kasse mit zehn Cent auszuhelfen? Den Autofahrer in die Parklücke zu winken?

Bislang habe ich oft genug jämmerlich versagt. Aber jetzt wird alles anders. Denn nun weiß ich es ja: Volle Läden sind ein Praxistest für die Nächstenliebe.

Ihr Pastor Philipp Busch