Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Johannis auf Föhr
... so weit der Himmel ist ...

Folge mir!

„Folge mir!“ Jesus schaut den Mann vor ihm an und wartet. Der Mann, er heißt Matthäus, hebt die Augen. Jesus heftet seinen Blick an sie. Er liest in diesen Augen, die sich vor ihm öffnen wie ein Buch.

Das ganze Leben des Mannes breitet sich vor Jesus aus. Er folgt Matthäus’ Fußspur durch sein Leben und versteht, warum der Mann da angekommen ist, wo er ist. Er begreift, was ihm fehlt. Er ahnt, dass ihm kaum jemand helfen kann. Außer ihm. Und Matthäus selbst.

In Gedanken nimmt Jesus den Matthäus an die Hand. Er versucht nachzufühlen, was in ihm vorgeht, als er seine Mutter zum ersten Mal angelogen hat, statt die Wahrheit zu sagen. Unnötige, scheinbar unbedeutende Lügen anfangs, die mit den Jahren größer werden. In Matthäus’ Herz – da wachsen Lüge, List und Betrug. Mit jedem Jahr, das er älter wird, verstrickt er sich immer mehr. Immer mehr Menschen wenden sich von ihm ab. Am Ende ist er allein, trostlos.

„Folge mir, Matthäus“, sagt Jesus noch einmal. „Auch wenn du es nicht glaubst: Du bist es wert, dass ich dich rufe. Du kannst nachholen, was dir bisher verwehrt geblieben ist. Du kannst wiedergutmachen, was du angerichtet hast. Aber du brauchst jemanden, der dir das sagt. Der dir zeigt, wie das geht. Jemand, der dir die Angst nimmt. Der dir den Trost gibt, den du dein Leben lang verzweifelt gesucht hast, bis du vergessen hast, was dir eigentlich fehlt. Dafür bin ich heute hierher gekommen. Darum stehe ich jetzt vor dir. Und nur deswegen schaue ich dich an und sage dir: Folge mir!“

Matthäus sagt kein einziges Wort. Aber er steht auf und geht. Wenn nicht jetzt, wann dann? Er weiß, dass er nie wieder zurückkommen wird.